Sebastian Spatz beim Bund
 

Einberufen wurde ich in die 1./PzAufklLehrBtl 11 in die Freiherr-von-Boeselager-Kaserne nach Munster, wo ich an einem durch und durch verregneten 1.Juli 1996 gegen 9 Uhr als Erster lange vor allen anderen ankam. Wie sich das für die perfekte Organisation bei der Bundeswehr gehört, stand ich natürlich nicht auf der Liste des Kompaniechefs, aber gehen lassen wollte er mich trotzdem irgendwie nicht. Dafür erfuhr ich, daß ich am Abend noch nach Lüneburg würde weiterreisen dürfen. Die Kompanie würde nicht mehr ausbilden, da das Bataillon in wenigen Monaten aufgelöst werden würde.
So wurde ich dann auf eine Stube geschickt und durfte mir meine Zeit mit lustigen Bundeswehr-Prospekten vertreiben, wo drin stand, wie toll doch die Bundeswehr ist (wahrscheinlich werden die auf irgendwelchen Parties verfasst, nachdem die Autoren ordentlich was weggetan haben). Zwischendurch zeigte mir der Gefreite aus der Waffenkammer noch schnell die Kaserne, was der Typ erstmal dafür nutzte, sich ins Mannschaftsheim abzusetzen :-) .Wer sich dort in der Kaserne auskennt wird wissen, daß das Ding ziemlich klein ist.
Nach und nach kamen dann noch ein paar Leute, die auch nicht auf der Liste standen und deswegen auch keinen Brief vom Kompaniechef bekommen hatten, nach dem sie sich gleich in Lüneburg melden sollten. Der Spieß hatte aber immerhin schon organisiert, dass wir in der Kleiderkammer notdürftig mit einem großen olivgrünen Sack ausgestattet wurden, in dem schon ein paar BW-Klamotten drin waren. So konnten wir dann zurück auf der Stube schon mal lustig Fasching spielen, was auch prima ankam und die Stimmung merklich besserte. Zwischendurch dann ein erster "Appell" im Flur, und ein Möchtegern-wichtig-StUffz ließ dann erstmal einen dieser unvermeidlichen Sprüche los, um Neue einzuschüchtern: "Lehnen sie sich sich nicht an meine Wand, sie machen meine Wand kaputt!" (allgemeines Grinsen, heimlich).
Um 18 Uhr setzte sich dann ein Konvoi von Autos gen Lüneburg (2./PzAufklBtl 3), Theodor-Körner-Kaserne (ehemaliger Fliegerhorst), in Bewegung. Komisch sahen die Insassen aus, alle schon teilweise eingekleidet und alle den blauen Trainingsanzug tragend.

Abschied von Lüneburg

Voll getarnt als laufender Busch

In Lüneburg dann durchlebten und -litten wir zwei Monate unsere Grundausbildung mit den ganzen üblichen Spielchen wie Hindernisbahn, G3 (Sturmgewehr zu der Zeit) zerlegen und zusammensetzen, Waffe reinigen (merke: Eine saubere Waffe gibt es nicht!), schießen und vor allem Stube reinigen, Schuhe putzen, Revier putzen und Meldung machen.
Die Grundausbildung war relativ hart, da wir ja für ein LEHRbataillon ausgebildet wurden. Die sind sozusagen Vorbilder für alle anderen, sind (angeblich) besser ausgestattet und haben etwas mehr Geld. Wir waren jeden Tag draussen, Exerzierplatz, Marschieren üben, Theorieunterricht im Kompaniegebäude (die meisten kämpften gegen den Schlaf, weil die Nächte immer viel zu kurz waren), dann wieder Waffe abholen und raus. ABC-Alarm, Biwak, Schießausbildung, Orientierungsmarsch, Stellung errichten und halten, Hindernisbahn, Verletzte bergen, Nachtalarm in strömendem Regen (klitschnass, halb schlafend in mit Wasser gefüllte Schützenmulden schmeissen, ein Riesenspaß(!)), die Koffeinkompretten wurden unsere besten Freunde.
Die wichtigste Erfahrung aus der Zeit ist das Erleben der eigenen körperlichen Grenzen, denn wenn wir denken, wir können nicht mehr, haben wir noch soo viele Reserven...
Wir hatten allerdings, das muss gesagt werden, ziemlich faire Grundausbilder, die uns vernünftig alles beigebracht haben und weitgehend auf die sog. "Dummfick-Spielchen" verzichtet haben.
Das Übliche halt... In dieser Zeit wuchsen wir Panzerschützen zu einer richtigen Gemeinschaft zusammen und erlebten, was es heißt, eine Gruppe zu sein.
Nach diesen zwei Monaten Grundausbildung kamen wir alle zurück nach Munster - mit Ausnahme von zweien, die in Lüneburg Fallschirmjäger werden wollten - und wurden auf unsere neuen Verwendungen aufgeteilt. Ich hatte dabei viel Glück, mein Wirkort wurde die Schirrmeisterei unter der Leitung eines kurz vor der Pensionierung stehenden Oberstleutnants, einem sehr netten Vorgesetzten, der das Grüßen affig fand und mit dem man stundenlang über die Vorzüge von Fiat-Autos, alten Fotoapparaten und Eisenbahnen reden konnte. Neben mir "arbeiteten" in der Schirrmeisterei noch ein Oberfeldwebel und zeitweise zwei andere Obergefreite.

Sebastian am Maschinengewehr

OG Spatz ist GvD

Aber was heißt eigentlich "arbeiten" - wir haben  nur Kaffee getrunken, Zeitung gelesen, Radio gehört, uns dick und rund gefuttert und unsere Geräteakten bewacht. 15 Minuten am Tag war mal was zu tun, ansonsten harrte man der Dinge, die da (meist nicht) kamen.
Schlauerweise habe ich mich von Sport, Marsch und Gelände befreien lassen (ich war natürlich wirklich krank :-) ) und habe nie wieder während meines Wehrdienstes die Sporthalle von innen gesehen, noch einen dieser legendären Amila-Märsche mitgemacht - ich bin doch nicht blöd!!!

Ich muss allerdings sagen, dass es mein Glück war, dass unser Bataillon aufgelöst werden sollte, denn sonst hätten wir bestimmt mehr leisten müssen, sehen wir meine Zeit dort also als Ausnahme an ( WER hat da gerade blöd gelacht ;-) ? ) .

Mein FAZIT zur Bundeswehr:
Es war zwar eine Erfahrung, die ich im nachhinein nicht mehr missen möchte, aber ich bin doch froh, daß ich es hinter mir habe. Beim Zivildienst tut man bestimmt sinnvollere Dinge.

In der Schirrmeisterei bei der Arbeit

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