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Einberufen wurde ich in die 1./PzAufklLehrBtl
11 in die Freiherr-von-Boeselager-Kaserne nach Munster, wo
ich an einem durch und durch verregneten 1.Juli 1996 gegen 9 Uhr als Erster
lange vor allen anderen ankam. Wie sich das für die perfekte Organisation
bei der Bundeswehr gehört, stand ich natürlich nicht auf der
Liste des Kompaniechefs, aber gehen lassen wollte er mich trotzdem irgendwie
nicht. Dafür erfuhr ich, daß ich am Abend noch nach Lüneburg
würde weiterreisen dürfen. Die Kompanie würde nicht mehr
ausbilden, da das Bataillon in wenigen Monaten aufgelöst werden würde.
So wurde ich dann auf eine Stube geschickt und durfte mir meine Zeit mit
lustigen Bundeswehr-Prospekten vertreiben, wo drin stand, wie toll doch
die Bundeswehr ist (wahrscheinlich werden die auf irgendwelchen Parties
verfasst, nachdem die Autoren ordentlich was weggetan haben). Zwischendurch
zeigte mir der Gefreite aus der Waffenkammer noch schnell die Kaserne,
was der Typ erstmal dafür nutzte, sich ins Mannschaftsheim abzusetzen
:-) .Wer sich dort in der Kaserne auskennt wird wissen, daß
das Ding ziemlich klein ist.
Nach und nach kamen dann noch ein paar Leute, die auch nicht auf der Liste
standen und deswegen auch keinen Brief vom Kompaniechef bekommen hatten,
nach dem sie sich gleich in Lüneburg melden sollten. Der Spieß
hatte aber immerhin schon organisiert, dass wir in der Kleiderkammer notdürftig
mit einem großen olivgrünen Sack ausgestattet wurden, in dem
schon ein paar BW-Klamotten drin waren. So konnten wir dann zurück
auf der Stube schon mal lustig Fasching spielen, was auch prima ankam
und die Stimmung merklich besserte. Zwischendurch dann ein erster "Appell"
im Flur, und ein Möchtegern-wichtig-StUffz ließ dann erstmal
einen dieser unvermeidlichen Sprüche los, um Neue einzuschüchtern:
"Lehnen sie sich sich nicht an meine Wand, sie machen meine Wand
kaputt!" (allgemeines Grinsen, heimlich).
Um 18 Uhr setzte sich dann ein Konvoi von Autos gen Lüneburg (2./PzAufklBtl
3), Theodor-Körner-Kaserne (ehemaliger Fliegerhorst), in Bewegung.
Komisch sahen die Insassen aus, alle schon teilweise eingekleidet und
alle den blauen Trainingsanzug tragend.
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In Lüneburg dann durchlebten und
-litten wir zwei Monate unsere Grundausbildung mit den ganzen üblichen
Spielchen wie Hindernisbahn, G3 (Sturmgewehr zu der Zeit) zerlegen und
zusammensetzen, Waffe reinigen (merke: Eine saubere Waffe gibt es nicht!),
schießen und vor allem Stube reinigen, Schuhe putzen, Revier putzen
und Meldung machen.
Die Grundausbildung war relativ hart, da wir ja für ein LEHRbataillon
ausgebildet wurden. Die sind sozusagen Vorbilder für alle anderen,
sind (angeblich) besser ausgestattet und haben etwas mehr Geld. Wir waren
jeden Tag draussen, Exerzierplatz, Marschieren üben, Theorieunterricht
im Kompaniegebäude (die meisten kämpften gegen den Schlaf, weil
die Nächte immer viel zu kurz waren), dann wieder Waffe abholen und
raus. ABC-Alarm, Biwak, Schießausbildung, Orientierungsmarsch, Stellung
errichten und halten, Hindernisbahn, Verletzte bergen, Nachtalarm in strömendem
Regen (klitschnass, halb schlafend in mit Wasser gefüllte Schützenmulden
schmeissen, ein Riesenspaß(!)), die Koffeinkompretten wurden unsere
besten Freunde.
Die wichtigste Erfahrung aus der Zeit ist das Erleben der eigenen körperlichen
Grenzen, denn wenn wir denken, wir können nicht mehr, haben wir noch
soo viele Reserven...
Wir hatten allerdings, das muss gesagt werden, ziemlich faire Grundausbilder,
die uns vernünftig alles beigebracht haben und weitgehend auf die
sog. "Dummfick-Spielchen" verzichtet haben.
Das Übliche halt... In dieser
Zeit wuchsen wir Panzerschützen zu einer richtigen Gemeinschaft
zusammen und erlebten, was es heißt, eine Gruppe zu sein.
Nach diesen zwei Monaten Grundausbildung kamen wir
alle zurück nach Munster - mit Ausnahme von zweien, die in Lüneburg
Fallschirmjäger werden wollten - und wurden auf unsere neuen Verwendungen
aufgeteilt. Ich hatte dabei viel Glück, mein Wirkort wurde die Schirrmeisterei
unter der Leitung eines kurz vor der Pensionierung stehenden Oberstleutnants,
einem sehr netten Vorgesetzten, der das Grüßen affig fand und
mit dem man stundenlang über die Vorzüge von Fiat-Autos, alten
Fotoapparaten und Eisenbahnen reden konnte. Neben mir "arbeiteten" in
der Schirrmeisterei noch ein Oberfeldwebel und zeitweise zwei andere
Obergefreite.
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Aber was heißt eigentlich "arbeiten"
- wir haben nur Kaffee getrunken, Zeitung gelesen, Radio gehört,
uns dick und rund gefuttert und unsere Geräteakten bewacht. 15 Minuten
am Tag war mal was zu tun, ansonsten harrte man der Dinge, die da (meist
nicht) kamen.
Schlauerweise habe ich mich von Sport, Marsch und Gelände befreien
lassen (ich war natürlich wirklich krank :-) ) und habe nie
wieder während meines Wehrdienstes die Sporthalle von innen gesehen,
noch einen dieser legendären Amila-Märsche mitgemacht - ich
bin doch nicht blöd!!!
Ich muss allerdings sagen, dass es mein Glück war,
dass unser Bataillon aufgelöst werden sollte, denn sonst hätten
wir bestimmt mehr leisten müssen, sehen wir meine Zeit dort also
als Ausnahme an ( WER hat da gerade blöd gelacht ;-) ? )
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Mein FAZIT zur Bundeswehr:
Es war zwar eine Erfahrung, die ich im nachhinein nicht
mehr missen möchte, aber ich bin doch froh, daß ich es hinter mir
habe. Beim Zivildienst tut man bestimmt sinnvollere Dinge.
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