Der kleine Nick Der kleine Nick

Anfang der 60er Jahre entstand durch die Hände der beiden "Asterix und Obelix"-Väter Sempé und Goscinny ein kleiner Junge, dessen Geschichten seitdem schon viele Menschen begeistert haben. Es sind die Geschichten des kleinen Nick, der im französischen Original als "Le petit Nicolas" bekannt ist.

Nick ist ein kleiner Junge in einer französischen Stadt der 60er Jahre. Dort lebt er, geht er zur Schule und dort hat er seine Freunde, mit denen er überall prima Sachen erlebt.
OttoOtto zum Beispiel, der ist ziemlich dick und isst immer und hat immer fettige Finger, aber sonst ist er ein prima Kumpel.
Oder Adalbert. Er ist Klassenerster und der Liebling der Lehrerin. Er hat eine Brille, deshalb darf man ihm keine reinhauen. Und er wälzt sich ständig auf dem Boden und heult, wenn ihm was nicht passt, echt prima!
Georg hat einen reichen Papa, der ihm alles kauft was er sich wünscht. Manchmal kommt Georg im Cowboykostüm oder als Astronaut zur Schule.
Der Franz ist der stärkste von allen und haut einem immer auf die Nase.
Chlodwig ist der schlechteste in der Klasse und immer wenn die Lehrerin ihn dran nimmt, muß er den Rest der Stunde in der Ecke stehen. Außerdem verleiht er seine Sachen nicht sehr gerne.
Rolands Vater ist Polizist und deshalb hat Roland auch eine eigene Polizeiuniform und eine Trillerpfeife.
Max, der schnell laufen kann und Joachim sind auch noch Nicks Freunde.

Die fünf Bücher des kleinen Nick sind ein echter Lesespaß auch und gerade für große Kinder und junggebliebene Erwachsene.
Die Geschichten sind aus dem Blickwinkel von Nick erzählt und erzählen so die Geschichten eines kleinen Jungen, der sich oft über die Welt der Erwachsenen wundert.
Es macht wirklich Freude, mit Nick die Welt neu zu erleben. Wie er seine Erfahrungen mit den Mädchen erzählt, oder was ihm alles im Feriencamp passiert.

Es ist diese Unbeschwertheit der Geschichten, die dabei so zu faszinieren vermag.
Besonders Spaß macht die kindliche Sprache, die Nick verwendet. Durch sie fällt es dem Leser leicht, sich in Nicks Welt zurück zu versetzen und sich auch wieder an die eigene Kindheit mit ihren Faszinationen und Geheimnissen zu erinnern, in der täglich neue Dinge zu entdecken und zu erleben waren.

Immer, wenn ich mir die Geschichten durchlese, höre ich gar nicht mehr auf zu lachen, so schön sind die Geschichten geschrieben. Wer mir nicht glaubt, kann sich die Leseprobe ansehen, die sich am Ende dieser Seite befindet.


Die Bücher des kleinen Nicks sind erschienen beim Diogenes-Verlag in der Serie "Diogenes Kinderbuch Klassiker". Sie sind von Sempé und Goscinny und kosten ca. Eur 12,90 bzw. 13,90 pro Stück.

Folgende Bände sind erschienen:

Der kleine Nick cover*** Der kleine Nick und seine Bande
Der kleine Nick und die Schule "
Der kleine Nick und die Ferien *** Der kleine Nick und die Mädchen

 

Seit 2005 gibt es neue Bücher mit Geschichten des kleinen Nick, nachdem die Tochter des Authors Goscinny alte, unveröffentlichte Geschichten gefunden hat. Dabei hat es zu zwei "dicken" Büchern und weiteren dünneren thematischen Bänden gereicht.


Neues vom kleinen Nick: Achtzig prima Geschichten vom kleinen Nick und seinen Freunden
Und ein Jahr später erschien dann "Der kleine Nick ist wieder da!"


Wirklich schön ist auch das Pop-Up-Buch, das nicht nur Kinder sondern auch uns Erwachsene in die schöne Welt des kleinen Nick eintauchen lässt. Pop-Up-Buch


Weitere Bücher und Hörbücher vom kleinen Nick gibt es bei Amazon zu entdecken, da ist für jeden Geschmack was dabei.

Ebenfalls erhältlich ist eine 2009 entstandene Zeichentrickserie zum kleinen Nick.

 

Weitere Links zum kleinen Nick:

Die offizielle Webseite, in Französisch: http://www.petitnicolas.com

Der kleine Nick bei Wikipedia.
http://de.wikipedia.org/wiki/Der_kleine_Nick

Sein Illustrator Jean-Jacques Sempé bei Wikipedia.
http://de.wikipedia.org/wiki/Jean-Jacques_Semp%C3%A9

Sempé ist ein grandioser Zeichner und hat noch diverse weitere fantastische Bücher und Zeichnungen geschaffen.
Dieser Link führt Sie zu einer Werksübersicht von Sempé.

Verfilmt wurde der kleine Nick auch, und das sogar ziemlich gut.
http://www.derkleinenick.centralfilm.de/

 



Und hier nun die versprochene Leseprobe. Es ist die Geschichte "Herr Hühnerbrüh" aus dem Buch "Der kleine Nick", illustriert mit Bildern aus den Büchern des kleinen Nick:

Herr Hühnerbrüh

Heute hat unsere Lehrerin gefehlt. Wir hatten uns schon aufgestellt auf dem Hof, zum Reingehen, da hat der Hilfslehrer zu uns gesagt: "Eure Lehrerin ist krank." Und dann hat Herr Hühnerfeld, der Hilfslehrer, uns in die Klasse geführt. Wir nennen ihn immer "Hühnerbrüh" - natürlich nur, wenn er es nicht hört. Wir nennen ihn so, weil er immer sagt: "Seht mir in die Augen!" und in der Hühnerbrühe sind doch Augen. Ich hab zuerst auch nicht verstanden, wieso, aber die Großen haben es mir erklärt. Hühnerbrüh hat einen großen Schnurrbart und seine Strafen sind nicht von Pappe und man muß sich vorsehen. Wir waren ziemlich sauer, daß er die Aufsicht hat, aber es war nicht so schlimm, nämlich wie wir in der Klasse waren, hat er gesagt: "Ich kann nicht bei euch bleiben, ich habe mit dem Herrn Rektor zu arbeiten. Also seht mir in die Augen und versprecht mir, daß ihr brav und artig seid!" Wir haben ihm mit unseren Augen in seine Augen gesehen und alles versprochen. Wir sind aber sowieso immer ziemlich artig.
Ich glaube, Hühnerbrüh hat uns nicht so ganz getraut. Er hat gefragt, wer Klassenerster ist. "Ich, Herr Hühnerfeld", hat Zum Vergößern Grafik anzeigen wählen!Adalbert ganz stolz gesagt. Es stimmt auch, daß Adalbert Klassenerster ist, er ist der Liebling von unserer Lehrerin und wir können ihn nicht gut leiden, aber wir dürfen ihm nicht so oft eine reinhauen wie wir möchten, wegen seiner Brille. "Schön", hat Hühnerbrüh gesagt, "komm nach vorne. Du setzt dich hier ans Lehrerpult und übernimmst die Aufsicht über deine Kameraden. Ich komme ab und zu mal herein und überzeuge mich davon, daß alles klappt. Und ihr - seht eure Aufgaben nach!"
Adalbert hat sich ganz stolz an das Pult gesetzt und Hühnerbrüh ist raus. "Schön", hat Adalbert gesagt. "Wir haben jetzt Rechnen. Nehmt die Hefte raus. Ich werde euch eine Aufgabe stellen." "Du hast ja 'nen Piep", hat Chlodwig gerufen. "Chlodwig, halt den Mund!" hat Adalbert geschrien und er hat wirklich so getan als wenn er die Lehrerin ist. "Komm doch her, wenn du 'n Kerl bist", hat Chlodwig gerufen und da ist die Türe aufgegangen und Hühnerbrüh ist reingekommen und er hat zufrieden gelächelt. "Aha", hat er gesagt, "Ich habe natürlich hinter der Tür gestanden und gehorcht. Du da hinten - sieh mir in die Augen!" Chlodwig hat ihm in die Augen gesehen, aber das, was er gesehen hat, hat ihm keinen Spaß gemacht. "Du konjugierst zur Strafe den Satz: Ich darf mich einem Kameraden gegenüber, der beauftragt ist, die Aufsicht zu führen und der mir eine Rechenaufgabe zu stellen beabsichtigt, nicht unhöflich betragen.« Wie er das gesagt hat, ist er raus. Aber er hat uns versprochen, daß er bald wiederkommt.
Joachim hat gesagt, er paßt auf, wenn er wieder reinkommt und wir sind alle einverstanden gewesen, nur Adalbert nicht, der hat gerufen: "Joachim, geh auf deinen Platz!" Joachim hat Adalbert die Zunge rausgestreckt und hat sich an die Tür gesetzt und hat durchs Schlüsselloch geguckt. "Keiner da?" hat Chlodwig gefragt und Joachim hat gesagt, er sieht nichts. Da ist Chlodwig aufgestanden und hat gesagt, jetzt muß Adalbert sein eigenes Rechenbuch aufessen und das ist eine prima Idee gewesen. Adalbert, der hat geschrien, nein, er trägt eine Brille. "Dann Zum Vergrößern Grafik anzeigen wählen!kannst du deine Brille auch gleich mit aufessen", hat Chlodwig gesagt und er hat unbedingt gewollt, daß Adalbert was ißt. Aber Georg hat gesagt, wir wollen lieber keine Zeit verlieren mit solchem Quatsch und vielleicht können wir Fußball spielen. "Aber die Aufgaben!" hat Adalbert gerufen, nämlich, er war nicht einverstanden mit Georgs Vorschlag, aber wir haben uns nicht um ihn gekümmert, sondern wir haben uns zugespielt und das geht prima zwischen den Bänken. Wenn ich groß bin, kauf ich mir ein Klassenzimmer, nur zum Spielen!
Aber auf einmal hat einer geschrien und das war Joachim und er hat auf der Erde gesessen und sich die Nase gehalten. Das war Hühnerbrüh gewesen, der die Tür aufgemacht hatte und Joachim hat ihn vielleicht nicht kommen sehen. "Was hast du denn?" hat Hühnerbrüh gefragt und er hat ganz erstaunt geguckt, aber Joachim hat nichts gesagt, sondern er hat nur immer "Uije - uije" gemacht und da hat Hühnerbrüh ihn auf den Arm genommen und ist mit ihm nach draußen. Wir haben den Ball genommen und sind schnell wieder auf unsere P1ätze gegangen.
Hühnerbrüh ist wieder reingekommen mit Joachim, und der hat eine ganz dicke Nase gehabt, Hühnerbrüh hat gesagt, es reicht ihm allmählich und wenn das so weitergeht, dann werden wir schon sehen, wohin das führt. "Nehmt euch ein Beispiel an eurem Kameraden Adalbert.", hat er gesagt. "Der ist folgsam und vernünftig." Und dann ist er wieder raus. Wir haben Joachim gefragt, wie das passiert ist und er hat gesagt, er ist vielleicht eingeschlafen, weil er so angestrengt durchs Schlüsselloch geguckt hat. "Ein Bauer geht zum Markt", hat Adalbert gesagt. "Er hat in seinem Korb achtundzwanzig Eier, das Dutzend zu vier Mark zweiundneunzig..."
"Du bist schuld, daß ich die Tür gegen die Nase gekriegt hab", hat Joachim gesagt. "Klar", hat Chlodwig gerufen, "und zur Strafe soll er sein Rechenbuch aufessen, mitsamt dem Bauern und den Eiern und der Brille!" Adalbert hat angefangen zu heulen und er hat zu uns gesagt, wir sind ganz böse und er sagt es seinen Eltern und dann fliegen wir alle von der Schule und da ist Hühnerbrüh schon wieder in der Tür gestanden. Wir haben alle auf unseren P1ätzen gesessen und keiner hat was gesagt und Hühnerbrüh hat geschaut, weil Adalbert am Pult von unserer Lehrerin saß und heulte. "Was ist denn nun schon wieder?" hat Hühnerbrüh gefragt. "Jetzt fängst du auch schon an mit dem Theater! Ihr macht mich noch verrückt! Jedesmal, wenn ich reinkomme, macht ein anderer den Hanswurst. Seht mir in die Augen - alle! Wenn ich wieder hereinkomme und ich finde auch nur die geringste Unordnung vor, dann werde ich rücksichtslos einschreiten!" Und dann ist er wieder raus.

Wir haben gesagt, jetzt ist aber Schluß, nämlich wenn der Hilfslehrer wütend wird, dann verteilt er Strafen und die sind ganz schön dick. Wir haben uns nicht mehr gerührt und man konnte Adalberts Schluchzen hören und auch, wie Otto kaut. Otto ist ein Klassenkamerad von mir, der immer essen muß. Da haben wir aber ein Geräusch an der Tür gehört, die Türklinke hat sich bewegt und dann ist die Tür aufgegangen, ganz ganz langsam, und sie hat gequietscht. Auf einmal hat einer geschrien: "Das ist Hühnerbrüh!" Die Tür ist aufgegangen und Hühnerbrüh ist reingekommen und er ist ganz rot gewesen. "Wer ist das gewesen?" hat er gefragt. "Das war Nick", hat Adalbert gesagt. "Das ist nicht wahr, du dreckiger Lügner!" hab ich gerufen und das ist auch wahr, daß das nicht wahr war, weil es Roland war, der gerufen hat. "Du warst es! Du! Du!" hat Adalbert geschrien und er hat angefangen zu heulen. "Du hast eine Stunde Nachsitzen", hat Hühnerbrüh zu mir gesagt. Da hab ich auch angefangen zu weinen und ich habe gesagt, das ist ungerecht und ich gehe ab von der Schule und das wird noch Ärger geben.
"Das ist gar nicht Nick gewesen, Herr Hühnerfeld", hat Roland gesagt, "das war Adalbert. Adalbert hat "Hühnerbrüh" gerufen!" "Das ist nicht wahr ich habe nicht "Hühnerbrüh" gerufen", hat Adalbert geschrien. "Jawohl - du hast "Hühnerbrüh" gerufen, ich hab's genau gehört, wie du "Hühnerbrüh" gerufen hast - ganz genau: "Hühnerbrüh"!" "So, das genügt", hat Hühnerbrüh geschrien, "ihr habt alle Nachsitzen - alle!" "Warum ich denn?" hat Otto gefragt, "ich hab doch nicht ,Hühnerbrüh gesagt!" "Ich will dieses lächerliche Wort nicht mehr hören, verstanden?" hat Hühnerbrüh geschrien und er war ganz komisch aufgeregt. "Und ich komme nicht zum Nachsitzen", hat Adalbert geschrien, und er hat sich auf dem Boden gewälzt und hat geheult und dann hat er wieder seinen Schluckauf gekriegt und ist rot angelaufen und dann allmählich bläulich. Die andern in der Klasse haben auch fast alle geschrien oder geheult und ich habe schon gedacht, paß auf, gleich fängt Hühnerbrüh auch noch an. Aber da ist der Rektor reingekommen. "Was ist denn los, Hühnerbr - Herr Hühnerfeld?" hat er gefragt,

der Rektor.
"Ich weiß auch nicht, Herr Rektor", hat Hühnerbrüh geantwortet. "Der eine wälzt sich am Boden, dem anderen blutet die Nase, wenn ich die Tür öffne und die anderen brüllen - so etwas habe ich noch nie erlebt. Noch nie!" Und Hühnerbrüh ist sich mit der Hand durch die Haare gefahren und sein Schnurrbart hat sich ganz toll gesträubt. Am nächsten Morgen ist unsere Lehrerin wieder dagewesen. Aber Hühnerbrüh hat gefehlt.

 

 Stand: 19.11.2010